Aus Riem in einer einzigen Nacht
Bis 1992 lag der Flughafen München in Riem, mitten im Stadtgebiet und nur wenige Kilometer vom Zentrum entfernt. Genau das wurde zum Problem: Die Bahn ließ sich nicht verlängern, ohne Wohngebiete zu durchschneiden, und der Flugbetrieb hatte die Kapazitätsgrenze erreicht. Die Standortsuche für einen Neubau zog sich über Jahrzehnte und war von Klagen und Protesten begleitet, ehe sich das Erdinger Moos nordöstlich der Stadt durchsetzte.
Der eigentliche Wechsel geschah dann in einer einzigen Nacht. Am 16. Mai 1992 endete der Flugbetrieb in Riem, in der Nacht darauf zog die gesamte Anlage, von der Ausrüstung bis zum Personal, zum neuen Standort um, und am 17. Mai 1992 ging der neue Flughafen in Betrieb. Kein gestaffelter Übergang, kein wochenlanger Parallelbetrieb: Riem schloss, der neue Flughafen öffnete, dazwischen lag eine Nacht.
Kein zweiter Fall wie Berlin: Wer an einen deutschen Flughafen-Neubau denkt, hat oft die jahrelangen Verzögerungen des Berliner Hauptstadtflughafens vor Augen. München zeigt das Gegenteil: Der komplette Umzug binnen einer Nacht verlief so reibungslos, dass er bis heute als Beispiel für einen Betriebswechsel dieser Größenordnung gilt.
Zwei Bahnen mit ungewöhnlich großem Abstand
Der neue Standort bekam von Anfang an zwei Start- und Landebahnen, je 4000 Meter lang und 60 Meter breit. Entscheidend ist der Abstand zwischen beiden: Die Achsen liegen 2300 Meter auseinander, dazu kommt ein Schwellenversatz von 1500 Metern. Das ist deutlich mehr, als für einen bloß unabhängigen Betrieb nötig wäre, und erlaubt es, auf beiden Bahnen gleichzeitig und ohne gegenseitige Rücksicht zu starten und zu landen, statt eine Bahn nur als Ausweiche für die andere zu nutzen.
| Bahn | Kennung | Länge |
|---|---|---|
| Nordbahn | 08L/26R | 4.000 m |
| Südbahn | 08R/26L | 4.000 m |
Eine dritte Bahn ist seit Jahrzehnten Teil der Ausbaupläne, ein Planfeststellungsbeschluss dafür liegt vor. Gebaut wurde bislang nicht: Bei einem Bürgerentscheid der Landeshauptstadt München stimmte 2012 eine Mehrheit gegen das Vorhaben, und seither gilt der Bau als politisch blockiert. Befürworter verweisen auf die Kapazitätsgrenze der beiden bestehenden Bahnen, Gegner auf Fläche, Lärm und Klimaschutz. Ob und wann sich an der Blockade etwas ändert, ist offen.
Terminal 2: das gemeinsame Projekt mit der Lufthansa
Terminal 1 gehört zum ursprünglichen Bau von 1992 und dient heute vor allem Fluggesellschaften außerhalb der Star Alliance. Terminal 2 kam 2003 hinzu und wurde von Anfang an anders finanziert: Die Flughafen München GmbH trug 60 Prozent der Kosten, die Lufthansa die restlichen 40 Prozent. Das ist in Deutschland ungewöhnlich, denn üblicherweise baut und betreibt der Flughafenbetreiber die Terminals allein, während Fluggesellschaften sie nur nutzen. In München dagegen ist die Lufthansa Miteigentümerin und Mitbetreiberin, mit eigener Terminalgesellschaft und eigenen Investitionsentscheidungen.
2016 kam ein Satellitengebäude hinzu, das über eine automatische Bahn mit dem Hauptgebäude verbunden ist und nach demselben Beteiligungsschlüssel gebaut wurde. Genutzt wird Terminal 2 mitsamt Satellit ausschließlich von der Lufthansa-Gruppe und ihren Star-Alliance-Partnern. Diese enge Verzahnung zwischen Betreiber und größtem Nutzer prägt Investitionsentscheidungen bis heute, weil beide Seiten sie gemeinsam treffen müssen.
Anreise: was S-Bahn und Autobahn leisten
Zwei S-Bahn-Linien fahren den Flughafen an, die S1 über den Münchner Westen und die S8 über den Osten, beide bis zum Hauptbahnhof und durch die Innenstadt. Im Wechsel ergibt das eine dichte Taktung, die Fahrzeit zum Hauptbahnhof liegt bei etwa 40 Minuten. Das ist die bekannte Schwäche der Anbindung: Der Flughafen liegt gut 30 Kilometer nordöstlich der Stadt, spürbar weiter draußen als die meisten anderen großen deutschen Verkehrsflughäfen, und eine schnellere Bahnverbindung gibt es bislang nicht. Mit dem sogenannten Erdinger Ringschluss wird seit Jahren an einer besseren Anbindung aus dem Osten und Süden Bayerns gebaut, einzelne Teilabschnitte sind fertig, andere noch nicht.
Mit dem Auto führt die A92 München-Deggendorf direkt zum Gelände, ergänzt durch die Bundesstraße 301. Wer mit dem eigenen Wagen kommt, zahlt fürs Parken, wie viel, hängt von Zone und Dauer ab und ändert sich regelmäßig; verbindlich ist allein die aktuelle Tarifliste des Betreibers.
Der Besucherpark: eine öffentliche Anlage mit Aussichtshügel
Auf der Nordseite des Geländes liegt der Besucherpark, eine öffentlich zugängliche Anlage außerhalb der Terminals mit eigenem S-Bahn-Halt. Kernstück ist ein aufgeschütteter Aussichtshügel, von dem aus beide Bahnen einsehbar sind, ohne dass ein Zaun den Blick verstellt. Der Park selbst ist frei zugänglich, für den Hügel wird ein geringes Entgelt fällig. Dazu kommen eine Ausstellung zur Luftfahrt und ein Flugzeug im Freigelände, deren Öffnungszeiten sich saisonal unterscheiden und sich ändern können.
Ob der Besucherpark oder ein anderer Punkt am Zaun der bessere Beobachtungsplatz ist, hängt wie bei jedem Flughafen von der Betriebsrichtung und vom Sonnenstand ab. Wie man beides vorher bestimmt und welche anderen deutschen Flughäfen eine vergleichbare Einrichtung haben, steht unterFlugzeuge beobachten. Was am Himmel darüber vorbeikommt, lässt sich mit dem Bestimmungsschlüssel unterFlugzeuge erkennen benennen.
Wer die Zeit vor oder nach dem Flug anders nutzen will, erreicht mit derselben S1 auch das Deutsche Museum Flugwerft Schleißheim in Oberschleißheim, ein Luftfahrtmuseum auf einem historischen Fliegerhorst. Einen Überblick über solche Häuser gibtLuftfahrtmuseen.
München als zweites deutsches Drehkreuz
Mit 43,4 Millionen Passagieren im Jahr 2025 ist München nach Frankfurt der zweitgrößte deutsche Verkehrsflughafen und das zweite Drehkreuz der Lufthansa. Anders als in Frankfurt gibt es in München nur einen auf Umsteigeverkehr ausgelegten Terminalkomplex, eben Terminal 2 mit seinem Satelliten. Wie sich die beiden großen deutschen Drehkreuze im Aufbau und in der Geschichte unterscheiden, zeigt der Vergleich mitFrankfurt.
Wer sich für die Unternehmen hinter dem sichtbaren Flugbetrieb interessiert, wird im Bereich Luftfahrtbranchefündig.
Häufige Fragen
Wie heißt der Flughafen München offiziell?
Vollständig Flughafen München Franz Josef Strauß, benannt nach dem bayerischen Ministerpräsidenten, der den Neubau in den Jahrzehnten davor entscheidend vorangetrieben hatte. Im Alltag und auf den Schildern steht fast überall nur die Kurzform, dazu kommen der IATA-Code MUC und der ICAO-Code EDDM.
Liegt der Flughafen München überhaupt in München?
Nein. Das Gelände im Erdinger Moos liegt mehrere Kilometer nordöstlich der Stadtgrenze im Landkreis Freising, nicht im Stadtgebiet München. Namensgebend ist wie bei den meisten deutschen Flughäfen die nächstgelegene Großstadt, nicht die Gemeinde, auf deren Fläche der Flughafen tatsächlich steht.
Was ist aus dem alten Flughafen in Riem geworden?
Das frühere Gelände liegt heute mitten im Stadtteil Riem und trägt die Messe München, die Wohnbebauung der Messestadt Riem und den Riemer Park. Von der einstigen Start- und Landebahn ist nur noch ein kurzes Reststück erhalten, der frühere Kontrollturm steht unter Denkmalschutz.
Fliegt München immer auf beiden Bahnen gleichzeitig?
Nicht durchgehend. Für Sanierungsarbeiten wird eine der beiden Bahnen von Zeit zu Zeit für mehrere Wochen gesperrt, dann läuft der komplette Verkehr über die verbleibende Bahn und die Kapazität sinkt entsprechend. Der Betreiber kündigt solche Sperrungen vorab an.
Gibt es außer dem Besucherpark noch andere Beobachtungsplätze am Flughafen?
Ja, direkt am Terminal 2 gibt es zusätzlich eine kleinere Aussichtsterrasse. Sie liegt näher am Vorfeld, aber ohne die Höhe und den freien Blick auf beide Bahnen, den der Aussichtshügel im Besucherpark bietet. Welche Wahl an einem konkreten Tag die bessere ist, hängt wie überall von der Betriebsrichtung ab.
Zahlen zu Passagieren, Öffnungszeiten und Entgelten ändern sich regelmäßig; verbindlich ist die Auskunft der Flughafen München GmbH.
