Welche Studiengänge tatsächlich hineinführen
Der Name des Studiengangs sagt weniger über die spätere Stelle aus, als bei der Studienwahl angenommen wird. In den Entwicklungsabteilungen sitzen Absolventen des Maschinenbaus, der Elektrotechnik, der Informatik, der Werkstoffwissenschaft und der Mechatronik neben denen der Luft- und Raumfahrttechnik.
An mehreren großen Universitäten gibt es den Bachelor mit diesem Namen überhaupt nicht. An der RWTH Aachen ist die Luft- und Raumfahrttechnik eine Vertiefungsrichtung des Maschinenbaus, für die man sich im fünften Semester entscheidet; an der TU Braunschweig wählt man im Bachelor Maschinenbau ein entsprechendes Fachprofil. Der eigenständige Studiengang beginnt dort erst im Master.
Ein spezialisierter Studiengang verengt den Arbeitsmarkt, er öffnet ihn nicht. Wer Maschinenbau studiert und sich luftfahrtnah vertieft, kann sich anschließend bei einem Triebwerksbauer, einem Automobilzulieferer oder einem Anlagenbauer bewerben. Wer den engen Abschluss hat, muss diese Breite im Gespräch erst herstellen. In einer Branche, die in Zyklen einstellt und in Zyklen pausiert, wirkt dieser Unterschied über Jahre.
Universität oder Hochschule für angewandte Wissenschaften
- Universität
- Höherer Theorieanteil, mehr Mathematik und Mechanik in den ersten Semestern, größere Jahrgänge und damit lockerere Betreuung. Der Master schließt unmittelbar an, und von dort führt der reguläre Weg in eine Promotion.
- Hochschule für angewandte Wissenschaften
- Kleinere Gruppen, festere Stundenpläne, Labor- und Konstruktionsübungen früher im Studium, dazu in der Regel ein Praxissemester im Betrieb. Der Bachelor dauert dort häufig sieben statt sechs Semester, weil dieses Semester eingerechnet ist.
Beide Wege enden auf demselben Arbeitsmarkt. Wer promovieren möchte, geht in aller Regel über die Universität; von einer Hochschule für angewandte Wissenschaften aus geschieht das meist in Kooperation. Die ehrlichere Frage lautet daher nicht, welcher Hochschultyp besser ist, sondern in welcher Arbeitsweise man selbst durchhält.
Was im Studium auf dem Plan steht
Die ersten Semester unterscheiden sich kaum von einem allgemeinen Maschinenbaustudium. Das ist keine Nachlässigkeit im Lehrplan, sondern die Voraussetzung dafür, dass später etwas gerechnet werden kann.
| Grundlagenfach | Wofür es gebraucht wird |
|---|---|
| Höhere Mathematik | Die Sprache aller weiteren Fächer: Schwingungen, Strömungen und Regelkreise stehen als Differentialgleichung da. |
| Technische Mechanik | Kräfte, Momente und Spannungen im Bauteil, Grundlage jeder Festigkeitsrechnung. |
| Thermodynamik | Wo Wärme und Druck zusammenwirken: Triebwerk, Klimaanlage, Druckkabine. |
| Strömungsmechanik | Wie Luft sich um einen Körper verhält, die Vorstufe der Aerodynamik. |
| Werkstoffkunde | Warum Aluminium, Titan und Faserverbund je eigene Grenzen haben. |
| Elektrotechnik und Regelungstechnik | Bordsysteme, Sensorik und alles, was ein Flugzeug stabil hält. |
Erst danach wird ausgewählt. Die Vertiefungen heißen je nach Hochschule anders, meinen aber dieselben sechs Felder.
- Aerodynamik
- Kräfte am umströmten Körper, Auslegung von Profilen und Flügeln. Das Prinzip dahinter steht unterWie Auftrieb entsteht.
- Flugmechanik und Regelung
- Die Bewegung des Flugzeugs im Raum und die Systeme, die es stabil halten. Wer Steuerungen oder Autopiloten auslegen will, landet hier.
- Leichtbau und Strukturen
- Tragende Bauteile so auslegen, dass sie alle Lastfälle aushalten und trotzdem so leicht wie möglich bleiben.
- Antriebe
- Turbomaschinen, Verbrennung, Werkstoffe bei hohen Temperaturen. Die Betriebe dazu stehen unterTriebwerksbau.
- Raumfahrttechnik
- Bahnmechanik, Satellitensysteme, Wärmehaushalt im Vakuum. Fachlich eigenständig genug für eine getrennte Studienrichtung.
- Systemtechnik
- Das Zusammenspiel aller Teilsysteme samt Zulassung und Nachweisführung. Im Studium die unauffälligste Vertiefung, im Berufsalltag allgegenwärtig.
Wo sich das in Deutschland studieren lässt
Das Angebot ist überschaubar und über die Republik verteilt. Die folgende Auswahl nennt Hochschulen, deren Studiengänge sich in ihren eigenen Verzeichnissen nachprüfen lassen; vollständig ist sie nicht.
| Hochschule | Studiengang | Wie er dort eingeordnet ist |
|---|---|---|
| Universität Stuttgart | Luft- und Raumfahrttechnik | Eigener Bachelor und darauf aufbauender Master |
| Technische Universität München | Aerospace | Eigener Bachelor, englischsprachig, dazu ein Master |
| RWTH Aachen | Luft- und Raumfahrttechnik | Im Bachelor eine Vertiefung des Maschinenbaus, eigener Master |
| TU Braunschweig | Luft- und Raumfahrttechnik | Im Bachelor ein Fachprofil des Maschinenbaus, eigener Master |
| FH Aachen | Luft- und Raumfahrttechnik | Eigener Bachelor, ausdrücklich keine Maschinenbau-Vertiefung |
| HAW Hamburg | Flugzeugbau | Bachelor, ab dem Wintersemester 2026/27 als Flugzeugtechnik geführt, auch gemeinsam mit Betrieben der Region studierbar |
| Hochschule Bremen | Luftfahrtsystemtechnik und -management | Bachelor, wahlweise mit Schwerpunkt Herstellung und Instandhaltung oder Flight Operations |
Zugang, Note und Vorpraktikum
Eine feste Zulassungsgrenze für das Fach existiert nicht. Ein Teil der Studiengänge ist zulassungsbeschränkt, ein anderer nicht, und wo eine Beschränkung besteht, entsteht die Grenze in jedem Verfahren neu aus Bewerberzahl und Plätzen. Die Technische Universität München wählt für den Bachelor überhaupt nicht nach Note aus, sondern über ein Eignungsfeststellungsverfahren.
Beim Vorpraktikum gehen die Hochschulen ebenfalls auseinander: Die TU Braunschweig verlangt vor dem Maschinenbaustudium ein achtwöchiges Betriebspraktikum, für den Bachelor Luft- und Raumfahrttechnik der FH Aachen ist keines nötig. Beides steht auf den Seiten der jeweiligen Hochschule und ändert sich dort auch wieder.
Woran das Studium scheitert
Wer abbricht, tut es fast nie wegen der Luftfahrt. Die Abbrüche fallen in die ersten Semester und betreffen fast immer dieselben Fächer: Höhere Mathematik und Technische Mechanik, dicht gefolgt von Thermodynamik. Sie kommen alle, bevor im Stundenplan überhaupt ein Flugzeug auftaucht.
Das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung erhebt die Abbruchquoten regelmäßig, und zwei Befunde stehen dort seit Jahren: An Universitäten wird deutlich häufiger abgebrochen als an Hochschulen für angewandte Wissenschaften, und die mathematisch-naturwissenschaftliche Fächergruppe steht an der Spitze. Genau die Fächer also, die am Anfang jedes Ingenieurstudiums stehen. Die Vorkurse vor dem ersten Semester sind deshalb kein Angebot für Schwache, sondern schließen den Abstand zwischen Schul- und Hochschulmathematik.
Die Wege ohne Studium
Ein erheblicher Teil der Arbeit am Luftfahrzeug wird nicht von Ingenieuren gemacht. Die entsprechenden Ausbildungen sind kein Ersatzweg für diejenigen, die es nicht an die Hochschule geschafft haben.
- Fluggerätmechanikerin und Fluggerätmechaniker
- Anerkannter Ausbildungsberuf von dreieinhalb Jahren, mit den Fachrichtungen Fertigungstechnik, Instandhaltungstechnik und Triebwerkstechnik. Beschäftigt wird damit bei Herstellern, in Instandhaltungsbetrieben, bei Fluggesellschaften und bei der Bundeswehr.
- Fluggerätelektronikerin und Fluggerätelektroniker
- Der gleichrangige Weg in die Bordelektronik. Beide Ausbildungsordnungen wurden zuletzt an die europäischen Instandhaltungsvorgaben angepasst.
- Lizenz für freigabeberechtigtes Personal
- Wer eine Instandhaltungsarbeit anschließend freigeben soll, braucht eine eigene Lizenz nach dem Anhang Teil-66 der europäischen Instandhaltungsverordnung: A für einfache planmäßige Arbeiten, B1 für Struktur, Triebwerke und mechanische Systeme, B2 für Avionik und elektrische Systeme, C für die Freigabe des ganzen Luftfahrzeugs nach einer Basisinstandhaltung.
- Duales Studium
- Verbindet beides. Die HAW Hamburg bietet ihren Bachelor auch gemeinsam mit Luftfahrtbetrieben an, die Hochschule Bremen führt in einem Schwerpunkt die Verkehrspilotenausbildung mit dem Ingenieurstudium zusammen; was die verlangt, steht unter Pilot werden.
Was nach dem Abschluss kommt
Die Arbeitgeberlandschaft sieht anders aus, als der Blick auf die bekannten Flugzeugnamen vermuten lässt. Endhersteller gibt es wenige, und sie bauen selbst nur einen Bruchteil. Der größere Teil der Stellen liegt beiZulieferern, die Baugruppen und Strukturen fertigen, und beiIngenieurdienstleistern, die abgegrenzte Entwicklungspakete übernehmen oder Personal in Projekte entsenden. Welche Firmen das sind, steht imBranchenverzeichnis.
Der zweite Punkt betrifft die Raumfahrt. Im Studium nimmt sie einen Raum ein, den sie auf dem deutschen Arbeitsmarkt nicht hat. Der Branchenverband der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie beziffert den Umsatz des Raumfahrtsegments für 2025 auf 3,5 Milliarden Euro, während die Branche insgesamt auf 62 Milliarden Euro und 130.000 Beschäftigte kommt. Als Vertiefung neben einer belastbaren Grundlage ist Raumfahrt unproblematisch, als alleiniges Ziel eine Wette auf einen sehr kleinen Ausschnitt.
Ob das Interesse trägt, lässt sich vor der Bewerbung prüfen: ImModellflug wirken dieselben Kräfte, die Bauarten stehen unter Flugzeuge und Bauarten, die übrigen Einstiege unter Luftfahrt verstehen.
Häufige Fragen
Welche Schulfächer sind für ein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik wichtig?
Eine bestimmte Fächerkombination schreibt kein Studiengang formal vor, ein Numerus clausus oder ein Eignungsfeststellungsverfahren ersetzt das nicht. Entscheidend für den späteren Erfolg sind trotzdem Mathematik und Physik auf möglichst hohem Niveau, denn genau diese Fächer bestimmen, wie leicht die ersten Semester zu bewältigen sind. Wer schon in der Schule mit Differentialrechnung und Mechanik zurechtkommt, startet spürbar entspannter als jemand, der beides erst an der Hochschule kennenlernt. Für einzelne Studiengänge, etwa den englischsprachigen Aerospace-Bachelor der TU München, kommen zusätzlich gute Englischkenntnisse dazu, weil dort Vorlesungen und Prüfungen komplett auf Englisch stattfinden.
Wie schwer ist das Studium wirklich?
Objektiv beziffern lässt sich das über die Abbruchquote: Sie liegt in den Ingenieurwissenschaften nach den Erhebungen des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung seit Jahren in der Größenordnung von einem Drittel der Studienanfänger. Eine eigene Zahl nur für die Luft- und Raumfahrttechnik gibt es dabei nicht, erhoben wird die gesamte Fächergruppe der Ingenieurwissenschaften gemeinsam. Diese Größenordnung erklärt auch, warum die Vorkurse vor dem ersten Semester keine Randerscheinung sind, sondern ein Angebot, das ein erhebliches Risiko direkt am Studienbeginn adressiert.
Welchen NC braucht man für Luft- und Raumfahrttechnik?
Einen festen Wert gibt es nicht, ein Teil der Studiengänge ist zulassungsbeschränkt, ein anderer nicht, und selbst dort ergibt sich die Grenze in jedem Verfahren neu aus Bewerberzahl und Plätzen. Zulassungsfrei bedeutet dabei nicht ohne Voraussetzung: Die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife bleibt in jedem Fall Pflicht, ebenso ein eventuell verlangtes Vorpraktikum oder Eignungsfeststellungsverfahren, nur eben ohne zusätzliche Auswahl nach Notendurchschnitt. Wer sich also auf einen fehlenden NC verlässt, prüft trotzdem, ob die Hochschule sonstige formale Bedingungen an die Einschreibung knüpft, denn diese entfallen durch die Zulassungsfreiheit nicht.
Braucht man ein Vorpraktikum?
Das legt jede Hochschule selbst fest, und die Antworten fallen von Ort zu Ort unterschiedlich aus, weshalb sich das nur auf der Seite der jeweiligen Hochschule verlässlich klären lässt. Wer bereits eine einschlägige technische Berufsausbildung abgeschlossen hat, etwa als Fluggerätmechaniker oder in einem verwandten Metallberuf, kann sich diese an vielen Hochschulen ganz oder teilweise als Vorpraktikum anrechnen lassen. Automatisch geschieht das nicht: Die Anerkennung muss beim zuständigen Praktikantenamt beantragt werden, meist mit Ausbildungszeugnis und einer Bestätigung, dass die Tätigkeiten den geforderten Praktikumsinhalten entsprechen. Wo ein Praktikum ohne Vorleistung gefordert wird, ist es handwerklich geprägt und wird mit einem Bericht nachgewiesen, ungeklärt sollte das vor der Bewerbung nicht bleiben, weil ein fehlender Nachweis sonst ein Semester kostet.
Kann man ohne Studium in der Luftfahrttechnik arbeiten?
Ja, und ein großer Teil der Arbeit am Luftfahrzeug wird genau so gemacht, über die anerkannten Ausbildungsberufe Fluggerätmechanikerin und Fluggerätelektroniker sowie die daran anschließende Lizenz für freigabeberechtigtes Personal. Ein Endpunkt ist das nicht zwangsläufig: Wer nach der Ausbildung noch studieren will, muss dafür nicht nachträglich das Abitur nachholen, denn beruflich Qualifizierte erhalten in Deutschland grundsätzlich auch ohne Abitur Zugang zu einem fachlich passenden Hochschulstudium, meist nach einer gewissen Berufserfahrung oder über eine Aufstiegsfortbildung wie den Meister oder Techniker. Die praktische Ausbildung zählt dabei nicht als verlorene Zeit: Sie erspart oft Teile eines sonst nötigen Vorpraktikums und liefert einen Erfahrungsvorsprung, den rein akademische Wege nicht bieten. Der Weg über die Werkstatt und der Weg über den Hörsaal führen damit nicht zwangsläufig auseinander, sondern lassen sich nacheinander verbinden.
Angaben zu Studiengängen, Zulassung und Vorpraktikum ohne Gewähr: Die Hochschulen legen ihre Bedingungen selbst fest und ändern sie. Maßgeblich sind allein die Studien- und Prüfungsordnungen sowie die Zulassungsinformationen der jeweiligen Hochschule.
